Archiv

Archiv

Ernst Busch als Erinnerungsort

oder: „Das singende Herz der Arbeiterklasse“ (Ausgangsüberlegungen zu meinem Dissertationsprojekt am Historischen Institut der Friedrich-Schiller-Universität Jena; Betreuer: Prof. Rainer Gries)

Kunst und Propaganda bei Ernst Busch (1900-1980):
Eine politik- und kulturhistorische Biografie

Autogrammstunde mit Ernst BuschErnst Busch gehört zu den legendären Figuren der deutschen Linken im 20. Jahrhundert: Bereits in den 30er Jahren rühmten Literaten seinen Gesang, sein Schauspiel und seine proletarische Haltung, schrieben Gedichte auf ihn und Grußworte für seine Schallplatten: „Brandgesänge, gemacht aus Feuer und Hammerschlag“, nannte Heinrich Mann die Lieder, die Busch in Spanien aufnahm. Fans attestierten ihm „die schönste Stimme von den jetzt lebenden Sängern, die Songs und Chansons singen“. Kritiker dachten sich Ehrentitel für ihn aus: „Barrikaden-Tauber“ etwa oder „Roter Orpheus“. Für Kulturfunktionäre in der DDR war er, etwas weniger griffig, „der große Schauspieler und Sänger des internationalen revolutionären Proletariats und der siegreichen Arbeiterklasse“. Linke Liedermacher aus der Bundesrepublik wie Franz Josef Degenhardt hörten in ihm „The Voice – die Stimme, die am eindrucksvollsten den Untergang der alten und den Sieg der neuen Klasse vorsingt.“ Maler und Bildhauer in der DDR verewigten Busch auf Ölgemälden, in Bronze und in Gips. Bertolt Brecht widmete ihm den Aufsatz „Der Volksschauspieler Ernst Busch“ und stritt sich wegen eines Gedichts, in dem er Busch als Symbol sozialistischer Kultur erwähnte, mit Honecker. Busch-Lieder wurden bei den ersten Ostermärschen im Ruhrgebiet genauso gesungen wie bei den ersten Weltjugendfestspielen in Ost-Berlin, an den Lagerfeuern der Demonstranten in Brokdorf wie bei den Arbeiterfestspielen in Frankfurt/Oder. In der DDR wurden Schulen nach Ernst Busch benannt. Punks aus der Hamburger Hausbesetzerszene hörten seine Lieder, Soldaten der NVA sangen sie beim Marschieren.

Ernst Busch war, und das soll die von mir projektierte politik- und kulturhistorische Biografie zeigen, ein bedeutender weil im Lauf seines Lebens in vier verschiedenen politischen Systemen wirksamer Produzent linker Wir-Gefühle in Deutschland. Dabei war Busch – anders als Brecht oder Eisler – kein Intellektueller. Seine Stärke war es, Ideologie sinnlich erfahrbar zu machen; selten war er Schöpfer kommunistischer Thesen und Slogans, sondern zumeist emotionalisierender Vermittler. Busch fungierte als politischer Körper, dessen Ausdrucksfähigkeit vor allem im Gesang sich hervorragend zu eignen schien für die Zwecke der Massenmanipulation. Ab 1928 nutzte er souverän alle zur Verfügung stehenden Medien, um seine Artikulationen zu verbreiten, die wie bei keinem anderen Bühnenkünstler zwischen Kunst und Propaganda oszillierten, zwischen Ideologie und Entertainment. Bis heute, und darin besteht die Problematik wie auch der Reiz einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Leben und Werk des Künstlers, versperrt jedoch die mediale Inszenierung der Figur Busch, die insbesondere in der DDR bis hin zur Ikonisierung betrieben wurde, die Sicht auf diese durchaus widersprüchliche Persönlichkeit. In meiner Arbeit soll daher nicht nur der Künstler, sondern auch die Kultfigur Ernst Busch einer genauen Untersuchung unterzogen werden.

Wer war Ernst Busch? Augenzeuge des Kieler Matrosenaufstands 1918, antifaschistischer Vorsänger in der Weimarer Republik, Rhapsode des Widerstands im Exil, Streiter für die Freiheit Spaniens, Gefangener des Naziregimes, Aufbauhelfer des Sozialismus in der DDR und schließlich Klassiker der Arbeiterkulturbewegung – so lauten die Schlagworte, die üblicherweise gebraucht werden, wenn es darum geht, Leben und Werk des kommunistischen Künstlers auf den Punkt zu bringen. Hinter diesen Schlagworten aber verbergen sich zahlreiche Geschichten und Anekdoten, ist viel Platz für Zuschreibungen und Assoziationen und öffnet sich schließlich das weite Feld der Heroisierung und Legendenbildung.

Die zahlreichen Gunstbeweise und Geschichten, Zuschreibungen und literarischen Überhöhungen, die Teil jedweder sich über Jahrzehnte entwickelnden Heldenerzählung sind, stellen sich im Fall von Ernst Busch einerseits als Zeugnisse echter Anerkennung und Bewunderung heraus, lassen jedoch andrerseits ganz klar Züge der ideologisch gesteuerten Heldenverehrung erkennen. Institutionalisiertes Heldentum spielte insbesondere in den sozialistischen Gesellschaften des letzten Jahrhunderts eine bedeutende Rolle. Der Thälmann-Kult in der DDR ist hierfür das beste Beispiel. Zwar wurde Busch von staatlicher Seite erst spät zur Leitfigur gekürt, und er war auch kein derart strikt von oben verordnetes Jugendidol wie der von den Nationalsozialisten in Buchenwald umgebrachte KPD-Führer, was auch damit zusammenhing, dass Busch nicht, um die Terminologie sozialistischer Heldenverehrung zu gebrauchen, „für die Revolution gefallen“ war, sondern noch viele Jahre in der DDR lebte und sich guter Gesundheit erfreute. Gleichwohl hatte Busch im real existierenden Sozialismus einen Sonderstatus, er war einer der wenigen auch im Ausland bekannten Stars der DDR. Dieser besondere Rang brauchte dem Schauspieler und Sänger jedoch nicht extra vom SED-Staat zugewiesen werden, er ergab sich beinahe automatisch. Nicht nur Buschs Leistungen als Künstler, sondern auch seine Lebensgeschichte und sein Erscheinungsbild prädestinierten ihn zur linken Kultfigur. Dass diese Kultfigur als staatstragendes Symbol instrumentalisiert wurde und gleichzeitig dem Publikum auch außerhalb der DDR, etwa Teilen der westdeutschen Studentenbewegung, als Projektionsfläche für unerfüllte private wie politische Wünsche und rebellische Hoffnungen diente, macht die Ambivalenz der Busch-Legende aus.

In meiner Arbeit wird vor allem das (sich verändernde) Publikum des politischen Künstlers in den Blick genommen. Mit Hilfe der als Oral History bekannten Forschungstechnik untersuche und erkläre ich zunächst die zentralen Bausteine der ideologisch höchst einseitigen Kommunikationen, die im Lauf der Zeit rund um Ernst Busch entstanden sind, bevor auf der deskriptiven Ebene die Tragfähigkeit dieser sich unweigerlich ergebenden Heldenerzählung anhand der Quellen (wovon ein großer Teil aus Audio- bzw. audiovisuellem Material besteht) kritisch überprüft wird.

Jochen Voit (August 2005)

Er rührte an den Schlaf der Welt. Ernst Busch. Die Biographie.

Erschienen am 13. März 2010 im Aufbau Verlag.

BuschbuchAus einem Leserbrief an den Autor:

„Es gibt seit einigen Jahrzehnten eine weltweite Tendenz, mit kommunistischen Koryphäen abzurechnen, und Ihre Arbeit schreibt sich deutlich in diese neue Tradition ein. Die von Brecht so sprichwörtlich beschworene Nachsicht findet sich zu meinem Bedauern kaum, fast gar nicht. Dennoch ist es Ihnen gelungen, ein sehr packendes Buch zu schreiben; ich habe es fast ununterbrochen – nur mit einer kurzen Schlafpause – gelesen. Die unakademische, machmal fast schnoddrige Sprache trägt dazu bei; schon der Anfang liest sich blendend…“

(Hans-Christian Nørregaard, Kopenhagen, 28. März 2010)

 

Buschbuch-Lesetour (aktuelle Termine):
Berlin (Gespräch mit Stefan Amzoll am 25. März 2011 in der „Hellen Panke“), Berlin (Lesung am 25. Mai 2011 im Café Sybille) …

Medien-Echo

„Jochen Voit ist nicht nur die erste vollständige Biographie Ernst Buschs gelungen. Diese Lebensgeschichte ist auch ein Spiegelbild der Träume und Ernüchterungen der kommunistischen Bewegung in Deutschland.“
(Peter Schubert auf SWR 2, 15.8.2010)

„Busch hätte derlei dem Autor um die Ohren gehauen.“
(Stefan Amzoll im Neuen Deutschland, 7./8.8.2010)

„Das Buch ist keine trockene wissenschaftliche Studie, sondern eine glänzend erzählte, überaus spannende Lebensgeschichte, die den von den Widersprüchen des Jahrhunderts geprägten Schauspieler-Sänger dem Leser nahe bringt. Das Großartigste: Voit gelingt es, die Legende Busch kritisch zu hinterfragen, ohne den Menschen und Künstler zu beschädigen.”
(Frank Quilitzsch in der Thüringischen Landeszeitung, 25.7.2010)

„Keine Hagiographie des so bezeichneten ‚roten Orpheus‘, ‚Barrikaden-Caruso‘ oder gar des ’singenden Herzens der Arbeiterklasse‘, wie Busch später bezeichnet worden ist. Nein, eine kritische und vor allem in den historischen Kontext gestellte Annäherung an einen Ausnahmekünstler, der in der Weimarer Republik sowohl Bühnen- und Filmstar als auch Agitprop-Barde der Kommunistischen Partei gewesen ist.“
(Ex libris im ORF, 18.7.2010)

„Mit dem Herzen eines Reporters schildert Jochen Voit das quirlige Berlin der Weimarer Republik.“
(Markus Mayer auf B5 aktuell, 11.7.2010)

„Eine bravouröse Biografie.“
(Alexandra Kedves in der Basler Zeitung, 3.7.2010)

„Jochen Voit ist ein Meisterwerk gelungen.“
(Jürgen Werth auf NDR Kultur, 22.6.2010)

„Eine fulminante Biographie.“
(Knut Elstermann auf Radio EINS, 20.6.2010)

„Die Vielstimmigkeit dieses Buches ist virtuos, der Umgang mit den Quellen eigenwillig, bleibt aber immer philologisch nachvollziehbar. Voit muss das Denkmal Ernst Busch nicht vom Sockel stoßen, er zaubert wieder den Menschen, der so viele verzaubert hat, daraus hervor.“
(Martin Wilkening in der FAZ, 9.6.2010)

„Die neue Ernst-Busch-Biographie, die gerade im Aufbau-Verlag Berlin erschienen ist, hat über 500 Seiten. Aber die blättern sich beim Lesen quasi von alleine um, so packend weiß Jochen Voit zu erzählen, in einer bildhaften, wohltuend respektlosen Sprache. Für ihn klingt manch Agitprop-Song ‚fröhlich wie ein Betriebsausflug‘, anderes ‚paßt wie die Faust ins Thälmannlied‘. Jochen Voit reiht sich weder ein bei den Busch-Anbetern noch bei den Busch-Anklägern, sondern beschreibt die ganze widersprüchliche Persönlichkeit dieses Künstlers, seine Konsequenz wie seine Inkonsequenz. Und er zeigt, daß man besonders leicht inkonsequent wird, wenn man sich konsequent dünkt und einem alle versichern, man sei sich stets treu geblieben.“
(Stephan Göritz im Deutschlandfunk, 9.6.2010)

„Voits Sprechen über sich selbst am Beispiel des Ernst Busch drückt dieses etwas unaufgeräumte Verhältnis zum eigenen Fantum nicht nur durch jenen sattsam bekannten Ton ironischer Distanziertheit aus, der die Haltung des Autors im Ungefähren zu lassen vorgibt. Voit hat sich überdies dafür entschieden, das Leben Ernst Buschs als paläontologische Krankengeschichte zu erzählen: ‚Dies ist die Geschichte einer Versteinerung. Sie beginnt in einem Gefängnis und endet in einer Nervenklinik.'“
(Donna San Floriante in junge welt, 8.6.2010)

„Jetzt, 30 Jahre nach seinem Tod, enthüllt die neue Busch-Biografie ‚Er rührte an den Schlaf der Welt‘: Ernst Busch starb in einer Irrenanstalt in Bernburg!“
(Hartmut Kascha in Bild, 8.6.2010)

„Ganz auf der Höhe der zeitgeschichtlichen Forschung, ist Voits Buch nicht zuletzt eine brillante Studie über die Funktionsmechanismen von Populärkultur in den sich wandelnden politischen Kontexten des 20. Jahrhunderts. In gewisser Weise färbt dieser Gegenstand auch auf den Text ab, der ‚Pop‘ im Sinne von eingängig ist. Voit schreibt lebendig, gelegentlich an der Grenze zur Kolportage, doch ‚Propaganda‘ wird hier nicht geboten, sondern solide historische Recherche – eine ebenso einfühlsame wie kritische Annäherung an das Faszinosum Ernst Busch. So dekonstruiert, nimmt das Denkmal menschliche Züge an.“
(Detlef Siegfried in der taz, 8.6.2010)

„Der Mann hinter dem Mythos – die bewegende Biographie des Agitprop-Sängers Ernst Busch.“
(Nikolaus von Festenberg im Spiegel, 7.6.2010)

„Der Berliner Historiker Jochen Voit, 1972 geboren in Nürnberg, legt die bislang gehaltvollste, genaueste und anregendste Biografie des Sängers, Schauspielers und Regisseurs vor. Eines Künstlers, der als ‚proletarischer Albers‘ und ‚Barrikaden-Tauber‘ gefeiert wurde.“
(Christian Eger in der Mitteldeutschen Zeitung, 7.6.2010)

„Jochen Voit hat dieses wechselvolle Leben zwischen zwei Buchdeckel gepackt – frei von ideologischen Barrieren, frisch erzählt und ohne Berührungsängste. Ein bemerkenswertes Porträt, nicht nur des Künstlers und Menschen Ernst Busch, sondern auch der dramatischsten Jahre des letzten Jahrhunderts.“
(3sat/bookmark zur Sendung am 5.6.2010)

„Sehr gut geschrieben! Aber für Betonköpfe eine ganz problematische Lektüre…“
(Tomas Bille in MDR Figaro, 2.6.2010)

„Ernst Busch, einer meiner ‚Säulenheiligen‘, nun von einem aus der Urenkelgeneration und noch dazu von einem ‚Wessi‘ beschrieben – ganz konnte ich mein Mißtrauen nicht bändigen. Aber ich las mich bald fest (…) Was Jochen Voit da alles recherchiert und gefunden hat, wie vielen Spuren er gefolgt ist! Großer Respekt! Ja Bewunderung!“
(Christel Berger in Ossietzky 11/2010)

„Voit gestaltet dieses faktensatte Lebensbild, das sich zur Epochenbilanz weitet, mit Schwung und Empathie, aber auch mit der deutlichen Distanz des Nachgeborenen. Er bricht aus dem stilistischen Korsett einer wissenschaftlichen Darstellung aus und schildert Lebensphasen des Agitators und Ästheten in ihrem Widerspruch zwischen spontaner Rebellion und dogmatischer Anpassung: prall, bunt, fesselnd, manchmal mit deutlicher Ironie.
Der Autor entwirft auch den politisch-sozialen Hintergrund von Buschs Texten und analysiert deren Wirkung. Auf diesem Weg entsteht im Vorbeigehen ein Aufriss der Kultur- und Sozialgeschichte eines halben Jahrhunderts.“
(Herbert Gebert in der Nürnberger Zeitung, 26.5.2010)

„Oscar Wilde hatte wie immer recht, als er schrieb, heute habe ein großer Mann nicht Schüler, sondern Jünger, und es sei stets Judas, der die Biographie schreibe. Voit – laut Klappentext ‚Geschichtsexperte im Fernsehen (Pro7) und freier Kulturjournalist‘ – stehen Urteil und Mutmaßungen über einen solchen Künstler nicht an. Auf 360 vom Aufbau-Verlag veröffentlichten Seiten offenbaren leere Phrasen, sinnlose Fragen und eine betont flapsige Sprache den Neid des Autors auf einen, der den vorauseilenden Verzicht aufs anständige Leben nicht leistete. (…)
Der politische Mensch ist ein Konstrukt. Real und interessant ist für den Biographen der phantasielos halluzinierte Rest: Busch sei ‚eitel und empfindlich, hochmütig und scheu, Platzhirsch und Nachtigall, Macho und Mimose‘ gewesen. Um den Barrikaden-Tauber, vor allem aber die Barrikaden endgültig auf dem Dachboden der Geschichte zu verstauen, erweitert Voit seine biographische Grönemeyer-Paraphrase um eine Unterstellung: Busch, einem der ganz wenigen Kommunisten in dieser Biographie, der kein Nazi wurde, attestiert Voit zumindest das Zeug dazu…“
(Fritzi Busch in konkret 6/2010)

„Voit überzeugt durch Gründlichkeit. Er hat alle Stationen von Buschs Leben akkurat recherchiert und spannend nacherzählt.“
(Erhard Jöst in literaturkritik.de 6/2010)

„Jochen Voit hat dem wohl berühmtesten politischen Sänger im Deutschland des 20. Jahrhunderts eine großartige Biografie gewidmet.“
(Dresdner Morgenpost, 18.5.2010)

„Das geradezu romaneske Werk ist ein Kunst- und Politthriller. Ist große Oper und zugleich absurdes Kabarett. Ein hoch spannender, scharfer Epochen-Panoramablick mit einem Mann im schillernden Mittelpunkt, der vom Werftarbeiter zum gefeierten Piscator- und Brecht-Schauspieler wuchs.“
(Reinhard Wengierek in der Literarischen WELT, 15.5.2010)

„Am Beispiel einer außergewöhnlichen Persönlichkeit wird Zeitgeschichte so noch einmal anders lebendig als in den gängigen Floskeln, die das Vergangene leichthändig abtun. Es ist schon merkwürdig, wie gerade der Sänger des Liedes von der Partei, die ‚immer recht‘ hat, ein Mann, der selbst von Rechthaberei nicht frei war, mit seinem Lebensweg dazu beiträgt, Rechthaberei damals wie heute zu widerlegen.“
(Hans Brinkmann in der Freien Presse, 28.4.2010)

„Mit sicherer Hand schlägt Voit im Dickicht der zahlreichen Busch-Legenden eine Schneise und führt uns auf einem durch intensives Quellenstudium gesicherten Pfad durch das Leben des Bühnenkünstlers.“
(Andreas Tobler in der Neuen Zürcher Zeitung, 25.4.2010)

„Jochen Voit ist mit seinem Buch die erste gültige, weil kritische Biographie einer Legende gelungen. Und zudem ist sie nicht weniger spannend geschrieben als Buschs Leben – jenseits aller Mythen – wohl tatsächlich gewesen ist.“
(Marcus Heumann im Deutschlandfunk, 19.4.2010)

„Zum 30. Todestag des Sängers und Schauspielers Ernst Busch erinnert eine brillant geschriebene Biographie an Deutschlands ersten linksradikalen Popstar.“
(Plärrer, Stadtmagazin Nürnberg, 4/2010)

„Eine packende Biographie.“
(Andreas Radlmaier in der Nürnberger Abendzeitung, 22.3.2010)

„Am Bild Ernst Buschs als Freund und ‚Mann wie du und ich‘ halten viele bis heute fest. Indem Jochen Voit den Sänger mit dem Revoluzzer-Image nun in seiner Biografie als Gratwanderer zwischen Kunst, Politik und mancherlei Eigeninteressen beschreibt, macht er den Arbeitergott wieder zum Menschen mit Ecken und Kanten.“
(Hanno Müller in der Thüringer Allgemeinen, 13.3.2010)

„Mit Worten, die Blitze waren – Jochen Voit legt eine verblüffend gelungene Biografie des widersprüchlichen linksradikalen Schauspielers und Sängers Ernst Busch vor. Als souveräner Kenner der Materie kann er eine teilweise fast schon süffisant-ironische Distanz zu seinem andererseits unverhohlen sympathisierend betrachteten Gegenstand einnehmen.“
(Martin Fritz in THE GAP, 11.3.2010)

Ernst Busch 1960 live in BerlinSein legendäres Comeback-Konzert nach Jahren des Schweigens

Zum 50-jährigen Jubiläum erstmals auf Tonträger (EDEL: KULTUR, VÖ: März 2010)

Gesang: Ernst Busch
Piano: Hanns Eisler, Grigori Schneerson
Texte: u.a. Kurt Tucholsky, Bertolt Brecht, Johannes R. Becher
Musik: u.a. Hanns Eisler, Paul Dessau
Zwischenrufe: u.a. Helene Weigel

Auszüge aus den Liner Notes —————————————————————————-

Ost-Berlin, 22. Januar 1960: Der Plenarsaal der Akademie der Künste der DDR ist mit knapp 300 Personen hoffnungslos überfüllt. Ein erlauchter Hörerkreis begrüßt den Star des Abends mit stehenden Ovationen. Vor der Türe Jugendliche, die unbedingt noch hinein wollen. Sie möchten miterleben, wie Nationalpreisträger Ernst Busch seinen 60. Geburtstag zelebriert, möchten hören, was dran ist am legendären Ruf des Sängers, der fast ein Jahrzehnt geschwiegen hat… Busch singt wieder. Ein denkwürdiges Ereignis. Und eine bemerkenswerte Tonaufnahme. Auch weil es sonst keine Live-Mitschnitte von Busch-Konzerten gibt. Da scheint ein alter Kabarettgaul auf der Bühne zu stehen, der es noch mal wissen will. Busch ist gut bei Stimme und gut gelaunt. Und trabt durch das für seine Verhältnisse ausgesprochen heitere Programm mit einer Lockerheit, die den oft sterilen Studioaufnahmen des späten Busch völlig abgeht…
Einige der Anwesenden werden sich noch Jahrzehnte später an subversive Momente dieses Abends erinnern. Zum Beispiel an das ”Seifenlied”, ein Spottlied auf die SPD aus der Weimarer Republik, das plötzlich wie ein Statement zu den politischen Verhältnissen in der DDR klingt: „Wir schlagen Schaum, / wir seifen ein, / wir waschen unsre Hände wieder rein …“ Was ist das für ein Text? „Kälteschock. Die erste Reihe sieht aus wie eine Reihe Eiszapfen. Eisler und Busch tauen immer mehr auf. Busch breitet auffordernd die Arme aus: ’Mitsingen!’ – ’Wir schlagen Schaum, / wir seifen ein, / wir waschen unsre Hände wieder rein …’ Was sollen sie tun? Die Zapfen singen. Sie singen und versuchen, harmlos auszusehen. Busch, der Spanienkämpfer, ihr alter Genosse, er hat sie alle in der Hand, ein Lied lang. Ist das sein Kommentar zum Verhältnis von Politik und Kunst, zum Formalismusstreit in der DDR – sein Kommentar zum Weg der noch jungen DDR überhaupt?“*

Jochen Voit

*Annekathrin Bürger / Kerstin Decker: Der Rest, der bleibt. Erinnerungen an ein unvollkommenes Leben. München 2007, S. 120/121.

Erhältlich ist die CD u.a. im Buchladen der Akademie der Künste am Pariser Platz in Berlin.

Medien-Echo

„Platte des Monats“
(konkret 6/2010)

„Busch outriert herzhaft, schmeckt den Text für uns, mit uns, seinem Publikum, das man lachen hört, wenn er die Sau rausläßt. Damals wie heute.“
(Anne Dessau in Ossietzky 11/2010)

„1960 gab er dann zur Feier seines sechzigsten Geburtstags ein Konzert in der Ost-Berliner Akademie der Künste, das mitgeschnitten wurde. Diese veröffentlichung aus dem Akademie-Archiv vermittelt einen geradezu umwerfenden Eindruck von Busch als politischem Entertainer. Er hält seinem Publikum frontal den Spiegel vor, auch wenn es scheinbar nur um eine Chronologie des politischen Liedes 1918 ff. geht.“
(Martin Wilkening in der FAZ, 8.5.2010)

„Ein Höhepunkt des Konzerts ist die anrührend gesungene ‚Kinderhymne‘ von Brecht, die 1990 als gesamtdeutsche Nationalhymne ins Gespräch gebracht wurde.“
(Thomas Wagner in melodie&rhythmus, Mai/Juni 2010)