Ernst Busch in der Bildenden Kunst

Darstellungen von Malern und Bildhauern, Grafikern und Zeichnern

Ernst Busch-Plastik von Theo BaldenAls charismatischer Schauspieler und Sänger wird Busch bereits im Berlin der 20er Jahre zum Darstellungsobjekt für Zeichner und Karikaturisten. Nach 1945 allerdings setzt eine neue Art der Auseinandersetzung mit Buschs Gesicht und Körper ein. Zusätzlich zu Darstellungen, die im Kontext seiner Bühnentätigkeit entstehen, gibt es zahlreiche Versuche bildender Künstler vor allem aus der DDR und der Sowjetunion, sich des Mythos‘ und der Symbolfigur Ernst Busch anzunehmen. Die Bandbreite der Darstellungen ist beträchtlich – Überhöhung und Heroisierung sind freilich die Regel, Dekonstruktionen der linken Legende sind seltener. Zu den bekanntesten Darstellungen gehören die hier abgebildete Plastik des Bildhauers Theo Balden (eigentlich Otto Köhler) und die beiden weiter unten abgebildeten Gemälde des Malers Ronald Paris. Der DDR-Kunsthistoriker Hermann Raum schreibt in einem Brief an den Autor: „Balden bedient das Bedürfnis nach dem Helden Ernst Busch, und Paris arbeitet dagegen – in künstlerischer, historischer und individualpsychologischer Wahrhaftigkeit.“ Kultstatus und traurige Berühmtheit erlangt insbesondere das zweite von Paris geschaffene Busch-Gemälde, es gilt seit Jahrzehnten als verschollen; einige Kunstexperten nehmen sogar an, dass es zerstört worden ist. Fest steht, dass Ernst Busch das Bild nicht sonderlich leiden konnte. Vgl. das Interview mit Ronald Paris.


Thomas Marquard (Zeichnungen):

Petra Flemming (Porträt):

Petra Flemming: Ernst Busch (Leipzig 1971)

Ronald Paris (Bilder, Lithographien und Studien):

Ronald Paris: Ernst Busch I (Foto: Hermann Raum)

Ernst Busch I, 100 x 75 cm, Öl;
entstanden 1971 (Kunsthalle Rostock)


Das „Skandal-Porträt“ von Ronald Paris…

Ronald Paris: Ernst Busch II (Foto: Hermann Raum)

Ernst Busch II; 120 x 180 cm, Öl; entstanden 1971 (verschollen)

Das 2. Busch-Gemälde wurde auf der VII. Kunstausstellung der DDR 1972/73 in Dresden präsentiert und sorgte für Aufregung. Aus einem zeitgenössischen Artikel:

„[…] Wir wissen, daß der wichtigste, entscheidende unmittelbare Vorläufer des sozialistischen Realismus die proletarisch-revolutionäre Kunst ist. Nur in zweiter oder gar dritter Linie gilt das für die Formen und Mittel, in erster Linie gilt das für den proletarischen Optimismus. Er ist die Bedingung, ohne die nichts Neues geschaffen werden kann und auf deren Grundlage die Vielfalt der Gestaltungsmöglichkeiten und Handschriften zu erblühen vermag. Der proletarische Optimismus ist Basis und Ausgangspunkt des sozialistischen Allgemeinbildes, ‚auf das‘, um Buschor (…) zu zitieren ‚jedes von Künstlerhand stammende Bildnis zurückgeht.‘
Hier liegt ganz offensichtlich der Grund, weshalb zum Beispiel ein Künstlerbildnis wie das Ernst Buschs von dem Berliner Maler Ronald Paris eine so entschiedene Ablehnung bei nahezu allen Besuchern hervorruft. Die Ausdeutung der Persönlichkeit des überragenden revolutionären Künstlers ist m. E. so weit von dem menschlichen Allgemeinbild des Sozialismus entfernt, daß es vor dem Gemälde Betretenheit und Befremden und nicht selten heftige Proteste gibt. Hinzu kommt, daß das Bild, das die Bevölkerung unserer Republik und Millionen fortschrittlicher Menschen von Ernst Busch in ihren Herzen und Hirnen tragen, weil sie den großen Schauspieler und Sänger im Theater, bei Kundgebungen und im Konzertsaal selbst erlebten oder von Schallplatten her kennen, auf denen er mit dem nur ihm eigenen revolutionären Pathos spricht und singt, der Darstellung von Paris so vollkommen widerspricht, daß sie dieses Bildnis als unzumutbare Entstellung empfinden. Einige junge Kunstgeschichtsstudenten, die Besucher in der VII. Kunstausstellung führen, bemühen sich redlich, den Leuten einzureden, ‚daß Ernst Busch eben auch so sei‘ (woher wollen sie das nur wissen?), aber sie haben damit geringen Erfolg. Ich weiß nicht, wie lange Ronald Paris mit Ernst Busch bekannt ist. Ich weiß auch nicht, ob Paris Ernst Busch in einer derartigen Situation erlebte, daß er ihn aber so vergreist, zynisch und alleingelassen darstellt und diese Darstellung für möglich erachtet, ist bedenklich. Selbstverständlich gilt es, die ganze Vielfalt menschlicher Entwicklungs- und Lebensmöglichkeiten auch im Bild des Künstlers darzustellen, doch bei diesem Porträt scheint eine gewisse Lust am Widerspruch um des Widerspruchs willen im Spiele zu sein.
Es gibt in der Ausstellung noch ein Porträt von Ernst Busch, in dem Petra Flemming der Persönlichkeit des proletarischen Sängers nahezukommen sucht. Leider hat dieses Bild eine Reihe gestalterischer Schwächen und ist auch in der Auffassung der überlegenen Menschlichkeit Buschs zu einfach. […]“

(Joachim Uhlitzsch: Das Bildnis des Künstlers. Künstlerbildnis und Künstlerselbstbildnis in der VII. Kunstausstellung der DDR. In: Bildende Kunst. Heft 1 / 1973, S. 19-22; Hervorhebungen JV)

Vgl. auch Günther Meier: Ein Gemälde in Haft. In: Ronald Paris: Malerei. Wirklichkeit und Annäherung. Leipzig 2004. Vgl. auch Hermann Raum: Kassandrarufe und Schwanengesänge. Kritische Bilder und Skulpturen aus der späten DDR. Unna 2001.

 


Friedrich Gäbel und Peter Edel (Porträts):

 Drei Ernst Busch-Porträts

Zeichnungen aus den Jahren 1949, 1972 und 1974

 

Busch als Steuermann (Peter Edel)

 

Ilja Glasunow (Gemälde 1975):

Ilja Glasunow: Ernst Busch (1975)

(entnommen aus ND v. 29.7.1975)

 

Michel Aram (Gemälde):

Michel Aram (Paris 1960)

 

Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“
(Büste und Installationen):

Büste in der Schauspielschule Ernst Busch

Busch-Büste im Foyer der Schauspielschule von Theo Balden;
sie wurde 1981 vom VEB Stuck und  Naturstein dort aufgestellt.

 

Büste im Foyer der Schauspielschule Ernst Busch

 

Ernst Busch aus Pappe im Foyer der Schauspielschule

Busch aus Pappe – Überbleibsel einer Performance in der Schauspielschule (Foto aus dem Jahr 2005)

 

Fotos: Jochen Voit

 

Fortsetzung unter Ernst Busch in der Bildenden Kunst (Teil 2)