Aktuelles

Buchprojekt „Rädelsführer“

Jochen Voit / Gabriele Stötzer:
RÄDELSFÜHRER – Studentischer Protest in der DDR 1976

Buchcover Rädelsführer

Die Erfurter Universität rühmt sich ihrer Jahrhunderte alten Tradition. Doch über die DDR-Zeit lässt sich wenig Rühmliches erzählen. Damals gab es auf dem Campus eine Pädagogische Hochschule, an der Lehrerinnen und Lehrer ausgebildet wurden. Das Studium war von ideologischer Bevormundung durch die Staatspartei SED und autoritärem Gebaren der Hochschulleitung geprägt. Im Buch geht es um einen beispielhaften Fall studentischer Opposition gegen die repressive Bildungspolitik der DDR: Den Stein ins Rollen bringt der Student Wilfried Linke, indem er einen kritischen Artikel für die Hochschulzeitung schreibt. Der Artikel wird nie gedruckt, Linke zwangsexmatrikuliert. Seine Mitstudierenden verfassen einen Protestbrief an Bildungsministerin Margot Honecker und wünschen sich „offene Diskussionen“. Honecker reagiert mit Härte. Die Studierenden werden zur Zurücknahme der Unterschrift gedrängt. Einige werden mit Zwangsexmatrikulation bestraft und Studienverbot für sämtliche Hochschulen der DDR. Andere müssen sich in hysterisch anmutenden FDJ-Aktivtagungen öffentlich distanzieren. Eine spannende Erfurter Skandalchronik und noch viel mehr: Wie unterm Brennglas zeigt sich hier die Unterdrückung einer aufkeimenden Jugendbewegung am Vorabend der Biermann-Ausbürgerung…

Zur Leipziger Buchmesse haben wir am 22. März 2019 in der Gedenkstätte Runde Ecke gelesen. Anschließend gab es ein Gruppenbild mit unserem Moderator und unserem Verleger (Lutz Rathenow, Jochen Voit, Gabriele Stötzer, Frank Boettcher) vor dem Stasi-Emblem im Eingangsbereich der ehemaligen MfS-Zentrale.


Pressestimmen:
„Dass es dieses Buch gibt, ist gut. (…) Diese 233 Seiten zeigen Unglaubliches, das zu glauben nötig ist: Wegen eines Textes für die Hochschulzeitung, in dem Wilfried Linke den langweiligen Unterricht im Fach Marxismus-Leninismus kritisiert, gibt es Aussprachen, Debatten und Anhörungen und schließlich die Exmatrikulation. Die geht einher mit einem generellen Studierverbot in der DDR. (…) Das Buch ist im Lukas-Verlag erschienen und dürfte vor allem einstige Studierende interessieren, die in den Siebzigern in der DDR an Hochschulen und Universtäten gelernt haben. Wie fasste es doch eine Frau im Publikum treffend zusammen: ‚Ich war keine Heldin und habe meinen Mund gehalten.'“ (Esther Goldberg am 13.12.2018 in der Thüringer Allgemeinen)

Buchpremiere war am 11. Dezember 2018 im Kubus der Gedenkstätte Andreasstraße in Erfurt
Mitwirkende der Szenischen Lesung: Ester Ambrosino (Tanz), Daniel Hoffmann (Trompete & Flügelhorn), Prof. Dr. Christiane Kuller (Grußwort) sowie Lisa Weise, Malina Weichert, Sven Taxweiler, Max Zarnojanczyk, Gabriele Stötzer und Jochen Voit (Lesung)

Förderung
Stiftung Ettersberg (Weimar/Erfurt), Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur (Berlin)