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Kantate von Krieg, Frieden und Inflation

Text: Walter Mehring; Musik: Hanns Eisler



So begann es:

Im Jahre des Herrn 1914 schien des Wohlstands kein Ende und Mehrwert lohnte die Herren in solchem Überfluß, daß sie sprachen: Unsere Kräfte erlahmen - und es spach das Militär: Man achtet unser nicht mehr - und es sprach die Geistlichkeit: Amen!



            So zogen wir mit der eisernen Ration,
            Um im Stahlbad vom Wohlstand zu gesunden -
            So zogen wir, von der Mordkommission
            Zum Erschießen tauglich befunden -
            So zogen wir durch das Brandenburger Tor
            Mit Haubitzen, mit Tanks und Granaten -
            So zogen aus allen Winkeln von Europa hervor
            Soldaten - Soldaten - Soldaten.
            So stampfte ein Erdteil im gleichen Schritt und Tritt
            Und es zogen Seuchen, Mord und Hunger mit uns mit -
            In der schönen, in der neuen, in der schönen, in der
            Neuen, in der schönen, in der neuen, grauen Felduniform.


Da jammerten die Bürger: Wir gaben Gold für Eisen, - aber die Herren antworteten: Gott wird es tausendfach vergelten, und die Feinde es zurückzahlen milliardenfach. Da weinten alle Mütter: Unsere Männer sind erschossen, unsere Kinder sterben unterernährt! Aber die Herren antworteten: Wir liefern! Da begehrte das Volk auf: Wie lange noch? Und der Kaiser antwortete: Bis Gott mir den Endsieg beschert!


            So zogen wir Helden, auch Frontschwein genannt,
            In die Siegfriedstellung ein.
            Des Kaisers Rock verwanzt und die Lungen gasverbrannt,
            Und die Krüppel gruben ihre Kameraden ein.
            So zogen wir herrlichen Zeiten entgegen,
            Um drei Millionen Tote in das Massengrab zu legen,
            In der schönen, grauen Felduniform -
            Schönen, grauen Felduniform.


Aber im Jahre des Heils 1918 geschah es, daß die Generäle sprachen: Die Partie ist verloren! Da liefen die Bürger zum Feinde und bettelten Frieden; denn das Heer revoltierte, die Matrosen und das ganze Volk schrie: Her mit den Schuldigen! Aber die Herren sprachen und antworteten nicht mehr.


            Mit roten Fahnen in Prothesen
            So zogen wir zum Schlosse ein.
            Die Lungen kaum vom Gas genesen,
            Die konnten nicht mehr Freiheit schrein.
            So kamen sie den Weg zu sperren,
            So hat die Heimat uns bekriegt.
            Der Krieg besiegte unsre Herren;
            Das Vaterland hat uns besiegt.


Da erschien der Feind und sprach: Ihr müßt zahlen! Aber da war alles Geld gewandelt zu Papier. Da besetzte der Feind das Land und sprach zum zweiten Male: Ihr müßt zahlen! Aber da waren alle Nahrung, alle Kleidung gewandelt zu Papier und alles Volk litt Hungerqualen. Da erschienen die Herren der Feinde und die Herren der Heimat Hand in Hand und sprachen zum Volke: Ihr müßt es zahlen! Zahlen müßt ihr!


            Da fuhren die fremden Valuten
            Die toten Stationen durchbrausend,
            Von Schiebern geschoben wuchsen papierene Fluten.
            Und der Dollar sprang hundertetausend
            Bis hin zur Billion.
            Und soweit der Hunger reichte
            Und so hoch der Dollar stand,
            Bedeckte Elend und Inflation das Land.
            So zahlten wir für die Herren.
            Die sperrten uns Tor und Fabrik.
            Was uns der Krieg nicht nahm,
            Nahm uns die Republik.
            Es wuchs die Not - das Arbeitslosenheer.
            Es wuchs die Pest - das schwarze Noske-Heer!


Nun, da ihr wißt, wie alles enden kann
Vergeßt, vergeßt es nie, wie es bekann!




Text: Walter Mehring
Musik: Hanns Eisler




Zitiert nach Ernst Busch: Kantate von Krieg, Frieden und Inflation - Walter Mehring / Hanns Eisler, Edmund Meisel (Rote Reihe 4; Au 5 85 042). Hrsg. 1973.







Titel: Kantate von Krieg, Frieden und Inflation Kantate von Krieg, Frieden und Inflation
Begriff(e): Kantate von Krieg, Frieden und Inflation Kantate von Krieg, Frieden und Inflation
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