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BRIEFE AN DEN "SÄNGER DER ARBEITERKLASSE" (1950-1980) - Ausstellung im Kino Krokodil vom 13. Oktober bis 10. November 2006



Brief an Ernst Busch aus der Sowjetunion
Idee der Ausstellung:
Im Mittelpunkt steht die sozialistische Symbolfigur Ernst Busch. Nicht die Aktivitäten des politischen Künstlers sind hier von Interesse, sondern die Aktivitäten seiner Fans, die ihrem Idol in Form von Postkarten und Briefen huldigten. Es geht in der Ausstellung um die Konstruktion einer linken Heldenerzählung, die bereits in den 30er Jahren ihren Anfang nahm, die aber erst nach 1945 ins Bewusstsein vieler Menschen gelangte und festgeschrieben wurde. So hat das Publikum des kommunistischen Künstlers an der Erzählung vom antifaschistischen Kämpfer Ernst Busch seit den 50er Jahren maßgeblich mitgearbeitet. Insbesondere in der Sowjetunion ist das ideologisch aufgeladene Epos vom „unbeirrbaren Streiter für Frieden und Gerechtigkeit“ vielfältig interpretiert und politisch instrumentalisiert worden: in Gedichten und Zeitungsartikeln, in Büchern und Filmen. Aber nirgendwo wird uns heutigen Betrachtern das Ausmaß sozialistischer Heldenverehrung anschaulicher vor Augen geführt, als in der umfangreichen sowjetischen Fanpost, die den „Sänger der Arbeiterklasse“ über mehrere Jahrzehnte erreichte. Bis zu seinem Tod im Jahr 1980 erhielt Busch bis zu 50 Karten, Briefe und Päckchen pro Woche aus der UdSSR. Auf den Briefumschlägen war statt einer genauen Adresse oft nur „Sänger der Arbeiterklasse – DDR“ angegeben. Die Post wurde anstandslos zugestellt.

Die „Liebesgrüße aus der Sowjetunion“ sind Briefe von Menschen, die den Sänger und Schauspieler gemocht und verehrt, respektiert und geliebt haben. Die teils anrührenden, teils erheiternden Briefe stammen meist von Schülern und Studenten, aber auch von älteren Busch-Fans. Bemerkenswert ist, wie eng in diesen Briefen propagandistische Textbausteine und Beschreibungen individueller Empfindungen verwoben sind. Der Tonfall schwankt zwischen Indoktrination und Leidenschaft. Der Gepriesene selbst, der strahlende Held Ernst Busch, bleibt in den Schreiben aus der Sowjetunion eher blass. Sein Image ist relativ festgelegt, Abweichungen von der einmal akzeptierten Legende sind selten. Busch gilt als „Freund der Sowjetunion“, wird als Repräsentant des "anderen", friedliebenden Deutschlands betrachtet und als aufopferungsvoller Kämpfer gegen den Faschismus gepriesen. Der Adressat gilt den Briefeschreibern als moralische Instanz und ist zugleich Projektionsfläche für unerfüllte private wie politische Wünsche.

Es in der DDR keinen anderen Künstler, der seit den 50er Jahren derartig große Mengen an Fanpost aus allen Regionen Russlands erhielt: Briefe von Verehrern und Verehrerinnen, von Schulklassen und Jugendorganisationen, von ehemaligen Rotarmisten und ehemaligen Spanienkämpfern. Diese russische Fanpost aus drei Jahrzehnten, zumindest ein kleiner Teil davon, bildet das Herzstück der Ausstellung. Darüber hinaus werden einige weitere Belege für den hohen Bekanntheitsgrad Buschs in der UdSSR gezeigt wie etwa Auszüge aus sowjetischen Schulbüchern. Die Briefe an Busch sind bislang nicht für die Öffentlichkeit zugänglich gewesen und werden nun erstmals in einer Ausstellung gezeigt.

Die im Krokodil präsentierten Materialien stammen hauptsächlich aus dem Archiv der Akademie der Künste. Wir danken der zuständigen Archivarin, Elgine Helmstaedt, für ihre Kooperationsbereitschaft und Mühe.

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Konzept der Ausstellung: erinnerungsort.de und Kino Krokodil
Design: Karl Wedemeyer und Gabriel Hageni
Übersetzungen aus dem Russischen: Katja Tewes
Förderung: Kulturamt Pankow.





Historischer Hintergrund:
Die innige Beziehung zwischen Ernst Busch und der Sowjetunion beginnt bereits in den 30er Jahren,
als der aus Deutschland emigrierte Sänger und Schauspieler in der UdSSR Station macht. Von Mitte 1935 bis Anfang 1937 lebt er in Moskau, bereist gemeinsam mit Erich Weinert die Wolga-Republik und tritt gleichermaßen vor Landsleuten wie vor russischen Zuhörern auf. Vor allem mit seinen Songs (die es bereits 1934 zum Gegenstand der russischen musikwissenschaftlichen Literatur gebracht haben) wird er in der Sowjetunion binnen kürzester Zeit populär. In Moskau erscheinen von Ernst Busch gesungene Lieder von Brecht und Eisler auf Platten und in Büchern. Außerdem spielt er als Schauspieler in Gustav von Wangenheims Film „Borzy“ („Kämpfer“) mit. Im Februar 1937 verlässt Busch die Sowjetunion in Richtung Spanien, um sich im Bürgerkrieg als Sänger der Internationalen Brigaden hervorzutun. Durch seine Tätigkeit als Lieder-Interpret und Herausgeber des Liederbuchs „Canciones de las Brigadas Internacionales“ trägt Busch nicht nur maßgeblich zur Etablierung und Konservierung des Spanienkämpfer-Mythos bei. Durch seinen Einsatz avanciert auch er selbst zur legendären Gestalt in der Sowjetunion und der DDR. Was Busch bei seinem sowjetisches Publikum dann endgültig zur antifaschistischen Symbolfigur werden lässt, ist seine Verhaftung durch die Nationalsozialisten im Jahr 1940 und seine Befreiung aus dem Zuchthaus durch die Rote Armee 1945. Vgl. hierzu den Artikel über die Fanpost sowie die Heldengedichte.









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"Das singende Herz der Arbeiterklasse"
Erinnerungsorte revisited



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